Montag, 9. Nov. 2015


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Hoch die Bogen, um mit Klassik, Rock und Pop die Zuschauer im Wolfgang-Eychmüller-Haus zu begeistern. Das Rondo Vienna mit Ensembleleiterin Barbara Helfgott (Bildmitte) eröffneten die Abo-Saison 2015/16.


Foto: Ursula Katharina Balken





Es war ein erfolgreiches Déjà-vu. Fünf Musikerinnen scharen sich um Chefin Barbara Helfgott, sie geigen lieblich, rocken hart und streuen kleine Bonmots in den Saal. Das alles macht Stimmung. Die Besucher lassen sich mitreißen. Rondo Vienna war vor zwei Jahren schon einmal zu Gast in Vöhringen und begeisterte. Dieses Mal war es nicht anders. Zugaben werden erklatscht, also ein erfolgreicher Start in die neue Abonnementsaison.


Das Rondo Vienna gibt sich äußerst vielseitig. Es tritt als eigenständiges Ensemble auf, begleitet aber auch Sänger und ist gefragt, wenn es um Plattenproduktionen geht. Musikalisches Zuhause ist für das Ensemble die Wiener Klassik. Aber sie haben auch den Reiz von Pop und Rock entdeckt, wie einst Vanessa Mae, die auf ihrer Violine publikumswirksam rockte.

Das Programm ist ein buntes Konglomerat, beginnend mit einem Medley aus dem Musical „My fair Lady“. Das Arrangement, poppig, fetzig, gleicht schon einer kleinen Programmvorschau. Keine Walzerseligkeit, sondern Highlights der internationalen Charts. Im Mittelpunkt steht Barbara Helfgott, langbeinig im Supermini. Was so spielerisch aussieht, ist harte Arbeit, sie ist ständig in Bewegung und spielt, singt und unterhält so ganz nebenbei die Besucher. „Music was my first love – Musik war meine erste Liebe“ kommt bei ihr einem Bekenntnis gleich.


Besetzt ist das Ensemble mit zwei Violinen, Bratsche, Cello, Keyboard und Schlagzeug. Rhythmus ist die Essenz der Performance. Manchmal vielleicht ein bisschen zu dominant. Auch war die Tontechnik anfangs leicht übersteuert, sodass der Schmelz der Geigen verloren ging. Man hatte eher das Gefühl, dass von der Bühne der geballte Sound eines kompakten Orchesters den Saal überflutet. Aber der aufmerksame Mann am Mischpult hatte offenbar den richtigen Sensor und fuhr die Tonstärke zurück.

Dann konnte man so richtig in Melodien schwelgen oder überschwänglich skandierend mit klatschen. „One Moment in Time“, ein Song der unvergessenen Withney Houston, musikalische Erinnerungen an Michael Jackson und Abba, eine Melange aus gern Gehörtem. Und als der bekannte Hit „Y.M.C.A.“ erklang, mit dem die Band „Village People“ 1978 den Hit schlechthin landete, war die Stimmung auf dem Höhepunkt. Es erschloss sich den Besuchern allerdings nicht ganz, was der Techniker mit seinen ungelenken Bewegungen zu der Musik auf der Bühne sollte. Aber das Publikum, in bester Laune, nahm’s gelassen und fands lustig.


Die Melodienbögen spannte Barbara Helfgott mit ihrer Geige routiniert durch die bekannten Songs, umgeben von versierten Musikerinnen. Es machte einfach Spaß zuzuhören, wenn aus Mozarts „Zauberflöte“ die Arie der Königin der Nacht verrockt vom Podium kam. Dann zeigte Helfgott, dass ihre Stimme technisch die Spitzentöne erreicht, dass sie wie Diana Damrau singt, erwartete schließlich niemand. Überhaupt kann sie mit facettenreicher Stimme glänzen, aber dann eher im Mezzo-Bereich.


Ein Abend, der so gut angenommen wurde – wie an Beifall und Bravos zu hören war – wünscht man sich für die gesamt Saison. Dann liegt die Stadt mit ihrer Mischung wieder richtig.